Hallo, ich hatte eben ein Gespräch mit meiner Mutter. Das Thema waren ältere Bekannte von früher, deren Kinder die Pflege der Eltern am Lebensende abgelehnt hatten. Meine Mutter sagte „ach diese österreichischen Kinder“ schüttelte den Kopf und bezeichnete diese als herzlos.
Wir haben einen osteuropäischen Migrationshintergrund. Es ist nicht so dass ich meiner Herkunft irgendwie gerecht werden muss, ich fühle mich als Österreicherin. Mich würde aber interessieren, ob es hier Unterschiede in der Erwartungshaltung zwischen Migranten und Österreichern gibt und wie ihr das seht.
Bei mir passt das Rationale und das Emotionale nicht ganz zusammen. Einerseits bin ich der Meinung, man ist seinen Eltern nichts schuldig, niemand hat darum gebeten auf diese Welt zu kommen, unsere Eltern haben das entschieden, von daher sind es sie, die es uns schuldig sind ihr Bestes zu geben. Hat man ein gutes Verhältnis, dann will man sich von selbst - zu einem gewissen Grad - kümmern. Emotional gesehen habe ich nunmal eine Bindung zu meinen Eltern, ich will nicht das sie traurig sind oder ihrer Autonomie beraubt werden und habe ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken daran.
Durch einen Fall im Umfeld ist mir erst klar geworden welche Ausmaße Pflege hat. Einige Menschen über 80 haben so schwache Muskeln, dass sie sogar Probleme haben aufzustehen oder sich hinzusetzen, geschweigedenn zu gehen - Stichwort Sturzgefahr. Landen sie mal im Krankenhaus werden sie nicht mehr nachhause entlassen weil sie nicht mehr eigenständig sind. Entweder jemand übernimmt die Verantwortung und schaut 24/7 auf die Person oder sie kommt ins Heim. Mit Heimhilfe kann man sich zwar fürs waschen und Windeln wechseln aushelfen (ist aber auch teuer), aber das reicht nunmal nicht.
Meine Mutter hat schon mal sowas in die Richtung erwähnt dass sie ja wohl mit 2 Kindern vor dem Heim abgesichert wäre. Sie hat Heime gesehen und findet diese schrecklich. Man ist nicht zuhause, nicht selbstbestimmt, der Alltag durchgetacktet.
Ich bin sehr verunsichert. Ich hoffe bei meinen Eltern wird sowas nicht notwendig sein.
Aber für den Fall der Fälle: Wie soll das funktionieren? In seinen 20ern sich mal ein Jahr um jemanden zu kümmern ist was anderes. Aber in seinen 30ern oder 40ern aus der Berufstätigkeit für unbestimmte Zeit auszusteigen? Man muss ja auch seine Existenz für die nächsten Jahre sichern. Leider haben die meisten Leute nicht so einen Bombensicheren Job in den man einfach so nach ein paar Jahren Pause in hohen Alter wieder einsteigen kann. Und wie führt man eine Partnerschaft weiter? Was macht es mit der Psyche jmdn bis zum Schluss zu pflegen.
Hätte auch ein schlechtes Gewissen es nicht zu machen wenn es erwartet wird. Ich bin meiner Mutter schon dankbar, sie stand immer hinter mir und hat mich lange unterstützt in meiner Ausbildung auch wenn ich schon längst auf eigenen Beinen hätte stehen müssen.
Sorry dass es so lang geworden ist.
Tldr: wie steht es um die Pflege eurer Eltern? Wie macht ihr das? Was erwarten eurer Eltern? Was ist eure Meinung dazu?